Ich habe blaues und rotes Fell, eine Locke auf dem Kopf und ein Lächeln auf dem Bauch. Ja, auf dem Bauch. Das im Gesicht gehört auch mir. Eines hat anscheinend nicht gereicht. Ich erinnere mich nicht, ein zweites bestellt zu haben, aber wenn es schon da ist, darf es bleiben.
Zum Beispiel hätte ich jetzt gern Nudeln mit Basilikum. Ich denke daran, schnippe mit den Zehen und schon steht eine Schüssel vor mir. Das Schnippen ist nicht nötig. Ich mag es einfach. Das Basilikum duftet wunderbar, die Nudeln sind warm und ich kann über etwas wirklich Wichtiges nachdenken: Möchte jemand mit mir essen?
Die Leute sagen, ich sei ein Zauberer. Aber ich habe weder Zauberbuch noch Kessel. Ich muss mir nicht merken, ob ein Trank drei Blätter braucht oder vier. Ich denke, und schon ist es da. Wenn ich einen Zauberstab bräuchte, müsste ich erst daran denken, mir einen vorzustellen. Danach würde ich ihn wahrscheinlich als Stütze für mein Basilikum benutzen.
Jemand hat mich einmal gefragt, warum ich mir nicht einen riesigen Schatz, einen Palast und alles ausdenke, was ich für den Rest meines Lebens brauche. Das könnte ich. Aber ich weiß nicht einmal, worauf ich nach dem Mittagessen Lust habe. Was soll ich mit einem Palast, wenn ich abends lieber auf einer Wolke liegen möchte? Und warum sollte ich ein fertiges Abenteuer wollen, wenn ich gern unterwegs herausfinde, was passiert?
Ich weiß, ich weiß. Das sagt ausgerechnet jemand, der sich gerade sein Mittagessen herbeigezaubert hat. Ich bin nicht immer konsequent. Aber ich esse meine Nudeln, bevor sie kalt werden.
Neulich habe ich mich gefragt, wie der Gesang eines Wals klingt. Plötzlich wurde alles um mich herum blau, Sonnenlicht flimmerte weit über meinem Kopf und ein riesiges Auge schwamm an mir vorbei. Das Wasser war ein wenig kalt. Bevor ich entscheiden konnte, ob mich das stört, dachte ich an Australien. Einen Moment später saß ich neben einem Quokka auf warmem Sand. Wasser tropfte aus meinem Fell. Sie schien sich sehr über die Begegnung zu freuen.
Nicht jeder Gedanke verändert sofort etwas. Sonst würden diese Nudeln jedes Mal erscheinen, wenn ich von ihnen rede. Aber manche Ideen sind so klar, dass die Welt sie offenbar hört. Manchmal bin ich neugierig, was sie als Nächstes hören wird.
Die Gestalt zu wechseln ist anders. Ich kann an eine Blume denken, ihre Blätter betrachten und mir vorstellen, wie es sich anfühlt, im Wind zu schwanken. Dabei bleibe ich Orumi. Erst wenn ich in Gedanken zustimme, dass ich mich wirklich verändern möchte, kann ich selbst eine Blume werden.
Das ist angenehm, auch wenn man dabei an einer Stelle stehen muss. Einmal landete eine Biene auf mir und ich beschloss, mit dem Zurückverwandeln noch zu warten. Offenbar hatte sie etwas zu erledigen. Dann bekam ich meine Pfoten zurück und ging meine Freunde suchen. Ich finde gern heraus, wie es sich anfühlt, etwas anderes zu sein. Ich bin aber auch sehr gern ich selbst.
Ich weiß nicht, wie man wütend wird. Sorgen machen fällt mir auch schwer. Wenn etwas anders kommt als gewünscht, fällt mir meistens eine neue Idee ein. Aber ich erwarte nicht, dass alle so sind wie ich. Wenn jemand traurig ist, kann ich mich dazusetzen. Man muss sich nicht sofort etwas zum Sagen ausdenken. Oder jemanden zum Lächeln auffordern, nur weil man selbst sogar auf dem Bauch ein Lächeln hat.
Nubo und Fira wissen, dass ich plötzlich verschwinden kann. Ich lerne gerade, vorher daran zu denken, ihnen zu sagen, wohin ich gehe. Besonders, wenn wir mitten im gemeinsamen Mittagessen sind. Ich kann in einem Augenblick ganz weit weg sein, aber wenn wir zusammen gehen, halte ich gern ihr Tempo. Es wäre schade, etwas zu verpassen, das sie mir zeigen wollten.
Und mein Stil? Das ist ein anderes Thema. Ein paar Flicken, ein paar Locken, eine kleine Muschel, Farben, die sich nebeneinander wohlfühlen. Niemand weiß, wie man das nennen soll. Offenbar müsste sogar künstliche Intelligenz eine Weile darüber nachdenken. Ich nenne es einfach „kein Stil“. Das passt zu mir. Nichts muss darauf abgestimmt werden.
Frag mich nicht genau, woher ich komme. Immer wenn ich versuche, mich zu erinnern, denke ich an einen Ort, den ich besuchen möchte. Ich bin selbst neugierig auf die Antwort. Vielleicht finden wir sie eines Tages gemeinsam.
Erst einmal mache ich mich auf den Weg in die Malbücher. Dort kannst du meine Abenteuer entdecken und etwas Eigenes hinzufügen. Siehst du mein Fell? Heute ist es blau und rot. Auf deiner Seite darf es aussehen, wie du möchtest. Ich wäre sogar auf grüne Nudeln und eine lila Wolke neugierig. Obwohl ich bei den Nudeln vielleicht fragen würde, wie viel Basilikum du hineingegeben hast.
Genug über mich. Zumindest fürs Erste. Du kannst dein Malbuch öffnen. Inzwischen überlege ich, wo wir anfangen sollten. Oh, ich weiß es …